BAG KiAP Bundesarbeitsgemeinschaft für Kinder in Adoptiv- und Pflegefamilien e.V.
BAG KiAP Bundesarbeitsgemeinschaft fürKinder in Adoptiv- und Pflegefamilien e.V.

Die BAG KiAP vertritt die Interessen von Kindern in Adoptiv- und Pflegefamilien.

Sie will dazu beitragen, dass möglichst viele Kinder, die dauerhaft oder zeitweise nicht in ihrer Herkunftsfamilie leben können, in Adoptiv- oder Pflegefamilien konstante Bezugspersonen erhalten.

Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG) – Stellungnahme der BAG KiAP zum Referentenentwurf vom 17.03.2017.  Die Stellungnahme wurde in Kooperation mit der Pflegeelternschule Baden-Württemberg e.V. Akademie für Pflege-/Adoptivfamilien und Fachkräfte erstellt:

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Kinder in Adoptiv- und Pflegefamilien (BAG KiAP), teilt die Aussage „für das Kind und seine gedeihliche Entwicklung sind die Stabilität seiner Familiensituation und die Sicherheit und Kontinuität seiner personalen Beziehungen von entscheidender Bedeutung“ und auch das daraus abgeleitete Ziel unterstützen wir vollumfänglich: „Vor allem durch eine am kindlichen Zeitempfinden orientierte Klärung der Lebensperspektive für Pflegekinder durch die Träger der öffentlichen Jugendhilfe und die Familiengerichte und Stabilität schaffende Maßnahmen, gilt es daher, der Familiensituation und den personalen Beziehungen von Pflegekindern mehr Sicherheit zu verleihen“.

Vor diesem Hintergrund, unter Berücksichtigung dieser Erkenntnisse, Absichten und Ziele sowie mit Bezug auf die Intention „das Kind ins Zentrum zu stellen und vom Kind aus zu denken“, nehmen wir Stellung zu Artikel 5 des Referentenentwurfs:

Der Runde Tisch formuliert Positionspapier für 2017                     Forderungen an Politiker, öffentliche und freie Träger

In Deutschland leben fast 84.000 Kinder und Jugendliche in
Pflegefamilien.
Nachweislich ist die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in
Pflegefamilien eine langfristig wirtschaftliche und eine der erfolgreichsten Hilfen zur Erziehung.
Dennoch zeichnet sich das Pflegekinderwesen in Deutschland durch unterschiedliche landesrechtliche Regelungen und regional große Unterschiede in seiner Fachlichkeit und praktischen Umsetzung aus.
Wenn das Pflegekinderwesen als nicht verzichtbare Hilfe zur Erziehung langfristig Bestand haben soll, sind Verbesserungen der gesetzlichen Grundlagen und der Rahmenbedingungen der Pflegekinderhilfe dringend erforderlich.
Lesen Sie weiter:

 

Pflegekinderhilfe zwischen Profession und Familie

- Erziehungsstellen

- Projektstellen

- Sozialpädagogische Lebensgemeinschaften

- Familiäre Bereitschaftspflege  

Abgrenzungen und Überschneidungen der verschiedenen Konzepte
 

Lebensort Familie
 
In Deutschland leben ca. 65.000 Kinder in Pflegefamilien. Der Hilfe zur Erziehung in Pflegefamilien kommt somit eine große Bedeutung zu. Der Gesetzgeber hat in § 33 SGB VIII präzisiert:
 
„ Für besonders entwicklungsbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche sind geeignete Formen der Familienpflege zu schaffen und auszubauen.“
 
Es entstanden sogenannte “andere Wohnformen“ mit unterschiedlichen Bezeichnungen. Die Hilfen nach § 34 SGB VIII, die in Familien erbracht werden (andere Wohnformen), sind in der oben genannten Zahl nicht statistisch erfasst.  
 
Vollzeitpflege ist in Deutschland seit Jahrhunderten für elternlose Kinder die wichtigste Hilfe. Wenn Eltern ausgefallen sind – aus welchen Gründen auch immer –  wurden die Kinder in der Regel bei ihrem Vormund untergebracht und dieser hatte an Elternstelle für sie zu sorgen. Der Grund, warum Kinder heute in Pflegefamilien kommen, ist in der Regel nicht der Tod der Eltern sondern Misshandlung, Vernachlässigung, Missbrauch, Ablehnung des Kindes, sowie psychische Erkrankungen und Suchtprobleme der Eltern. Gerade die vorgeburtliche Schädigung durch Alkoholkonsum der Mütter belastet viele Kinder schwer.
 
Verhaltensauffälligkeiten sind die Folgen von Gewalt, Vernachlässigung, der Ablehnung oder der vorgeburtlichen Schädigung der Kinder. Die gelingende Entwicklung des Kindes hängt weniger von der  Professionalität der Pflegefamilie ab, sondern dass das Kind in die für ihn passende Familie kommt und dort erfahren kann, dass es trotz aller Probleme geliebt wird und es in Geborgenheit in seiner neuen Familie leben kann. Je jünger das Kind ist, umso mehr ist es auf das emphatische Eingehen der neuen Familie angewiesen und diese wiederum braucht eine qualifizierte Beratung gerade in der Anfangszeit nach der Unterbringung.  
 
Wie auch immer die Namen der Vollzeitpflege lauten, eines sollte ihnen gemeinsam sein:  Kinder, die aus den unterschiedlichsten Gründen von ihren Herkunftseltern getrennt und fremduntergebracht werden mussten, sollen die Lebenschance bekommen, sich binden zu dürfen.  
 
Der Erziehungswissenschaftler Aloys Leber1 schreibt:  „Die innere Annahme des Kindes, mit all den Risiken und den unwägbaren Entwicklungen des Lebensweges ist die Voraussetzung dafür (für eine positive Entwicklung). Sichere                                            
Bindungen kann ein Kind nur entwickeln, wenn die Pflegeeltern die Elternrolle vorbehaltlos übernehmen.“
 
Das kindliche Zeitempfinden hat das Bundesverfassungsgericht 1968 (BVerfGE 68) in den Mittelpunkt gestellt. Das Kinder-und Jugendhilferecht hat 1990 den Begriff des kindlichen Zeitempfindens im SGB VIII verankert.
 
In Wissenschaft und Praxis ist durchgängig bewiesen, dass das kindliche Bindungsbedürfnis ein existentielles Grundbedürfnis ist, das eine gesunde Entwicklung erst ermöglicht. Deshalb ist bei Säuglingen und Kleinkindern eine schnelle Klärung erforderlich, ob bei der vorliegenden Vorgeschichte der Eltern und ihrer Bereitschaft, unverzüglich zusammen mit dem Kind eine Therapie zu beginnen, eine positive Prognose für die Rückkehr möglich ist. Dazu bedarf es einer differenzierten psychosozialen Diagnose.
 
Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Bereitschaftspflegefamilie so auszuwählen, dass diese auch bereit ist, das Kind auf Dauer zu behalten, wenn eine Rückkehr in einem für das Kind vertretbaren Zeitraum in die Herkunftsfamilie nicht möglich ist. Der nicht seltene Fall, dass ein Säugling mehr als ein Jahr in einer Bereitschaftspflegestelle untergebracht wird und ihm dann ein Pflegestellenwechsel zugemutet wird, ist mit dem Kindeswohl nicht zu vereinbaren. Es entspricht auch nicht den vom Verfassungsgericht vorgegebenen Maßstäben, wonach ein Wechsel der Pflegestelle nicht eingefordert werden kann, wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass dies für die Entwicklung dieses Kindes schädlich ist (BVerfGE 79)

 

1Leber 1978 S. 113, Leber Aloys: Die Sozialisation von Pflegekindern in: Pflegekinder in der Bundesrepublik Deutschland, ein Forschungsbericht (Hrsg.) (Eigenverlag) Dt. Verein, Frankfurt

 

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Zum Inhalt des Buches:
Was passiert, wenn ein Kind nicht ohne Gefährdung seiner Entwicklung in seiner biologischen Familie aufwachsen kann? Welche Informationen benötigen Pflege- und Adoptiveltern, wenn sie sich für die Aufnahme eines Kindes entscheiden? Welche Hilfen und Unterstützung erhalten sie, wenn Probleme auftauchen?

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