BAG KiAP Bundesarbeitsgemeinschaft für Kinder in Adoptiv- und Pflegefamilien e.V.
BAG KiAP Bundesarbeitsgemeinschaft fürKinder in Adoptiv- und Pflegefamilien e.V.

Keine Abstimmung über Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG)

"Der Bundesrat hat am 22. September 2017 abermals kurzfristig das Gesetz zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen (KJSG) von seiner Tagesordnung abgesetzt. Es kam daher nicht zu einer Abstimmung über das zustimmungsbedürftige Gesetz, das der Bundestag am 29. Juni 2017 verabschiedet hatte. Schon in der Sitzung am 7. Juli 2017 hatten die Länder die Abstimmung verschoben.

Das Gesetzgebungsverfahren ist mit der heutigen Absetzung allerdings noch nicht gescheitert. Der Bundesrat könnte in einer der nächsten Sitzungen über das Vorhaben abstimmen – auch nach Konstituierung des 19. Deutschen Bundestages. Denn der Diskontinuität zum Ende der 18. Legislaturperiode unterfallen nur solche Gesetze, die im Bundestag noch nicht abschließend behandelt wurden.

 

Gesetzentwurf wurde im Vorfeld kritisiert

 

Der Bundestag will mit dem Gesetz Kinder und Jugendliche künftig besser vor Gewalt schützen und in ihren Rechten stärken. Er hatte dazu insbesondere folgende Maßnahmen beschlossen:

  • Zusammenarbeit zwischen Jugendämtern und Ärzten
  • Wirksamere Heimaufsicht
  • Zusammenarbeit der Behörden
  • Schutz in Flüchtlingsunterkünften
  • Inklusion als Leitprinzip der Kinder- und Jugendhilfe

Experten hatten das geplante Gesetz in der öffentlichen Anhörung des Familienausschusses allerdings stark kritisiert. Beanstandet wurde u.a., dass im Entwurf Forschungsstand und Erfahrungswissen zum Großteil unbeachtet blieben. Aufgeführt wurden aber noch zahlreiche weitere Kritikpunkte."

Quelle: FamRZ

Schlusserklärung der IAGJ

Die 20. Tagung der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Jugendfragen (IAGJ) fand vom 01. bis 04. November 2016 in Basel, Schweiz, statt. Expertinnen und Experten der Kinder- und Jugendhilfe aus den Niederlanden, Deutschland, Österreich und der Schweiz diskutierten das Tagungsthema Pflegekinderhilfe – System und Entwicklungen im internationalen Vergleich. Die Ergebnisse der Tagung sowie die Empfehlungen der IAGJ werden im Folgenden dokumentiert.

Der Runde Tisch formuliert Positionspapier für 2017                     Forderungen an Politiker, öffentliche und freie Träger

In Deutschland leben fast 84.000 Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien.
Nachweislich ist die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in Pflegefamilien eine langfristig wirtschaftliche und eine der erfolgreichsten Hilfen zur Erziehung.
Dennoch zeichnet sich das Pflegekinderwesen in Deutschland durch unterschiedliche landesrechtliche Regelungen und regional große Unterschiede in seiner Fachlichkeit und praktischen Umsetzung aus.
Wenn das Pflegekinderwesen als nicht verzichtbare Hilfe zur Erziehung langfristig Bestand haben soll, sind Verbesserungen der gesetzlichen Grundlagen und der Rahmen-bedingungen der Pflegekinderhilfe dringend erforderlich.
Lesen Sie weiter:

 

Pflegekinderhilfe zwischen Profession und Familie

- Erziehungsstellen

- Projektstellen

- Sozialpädagogische Lebensgemeinschaften

- Familiäre Bereitschaftspflege  

Abgrenzungen und Überschneidungen der verschiedenen Konzepte
 

Lebensort Familie
 
In Deutschland leben ca. 65.000 Kinder in Pflegefamilien. Der Hilfe zur Erziehung in Pflegefamilien kommt somit eine große Bedeutung zu. Der Gesetzgeber hat in § 33 SGB VIII präzisiert:
 
„ Für besonders entwicklungsbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche sind geeignete Formen der Familienpflege zu schaffen und auszubauen.“
 
Es entstanden sogenannte “andere Wohnformen“ mit unterschiedlichen Bezeichnungen. Die Hilfen nach § 34 SGB VIII, die in Familien erbracht werden (andere Wohnformen), sind in der oben genannten Zahl nicht statistisch erfasst.  
 
Vollzeitpflege ist in Deutschland seit Jahrhunderten für elternlose Kinder die wichtigste Hilfe. Wenn Eltern ausgefallen sind – aus welchen Gründen auch immer –  wurden die Kinder in der Regel bei ihrem Vormund untergebracht und dieser hatte an Elternstelle für sie zu sorgen. Der Grund, warum Kinder heute in Pflegefamilien kommen, ist in der Regel nicht der Tod der Eltern sondern Misshandlung, Vernachlässigung, Missbrauch, Ablehnung des Kindes, sowie psychische Erkrankungen und Suchtprobleme der Eltern. Gerade die vorgeburtliche Schädigung durch Alkoholkonsum der Mütter belastet viele Kinder schwer.
 
Verhaltensauffälligkeiten sind die Folgen von Gewalt, Vernachlässigung, der Ablehnung oder der vorgeburtlichen Schädigung der Kinder. Die gelingende Entwicklung des Kindes hängt weniger von der  Professionalität der Pflegefamilie ab, sondern dass das Kind in die für ihn passende Familie kommt und dort erfahren kann, dass es trotz aller Probleme geliebt wird und es in Geborgenheit in seiner neuen Familie leben kann. Je jünger das Kind ist, umso mehr ist es auf das emphatische Eingehen der neuen Familie angewiesen und diese wiederum braucht eine qualifizierte Beratung gerade in der Anfangszeit nach der Unterbringung.  
 
Wie auch immer die Namen der Vollzeitpflege lauten, eines sollte ihnen gemeinsam sein:  Kinder, die aus den unterschiedlichsten Gründen von ihren Herkunftseltern getrennt und fremduntergebracht werden mussten, sollen die Lebenschance bekommen, sich binden zu dürfen.  
 
Der Erziehungswissenschaftler Aloys Leber1 schreibt:  „Die innere Annahme des Kindes, mit all den Risiken und den unwägbaren Entwicklungen des Lebensweges ist die Voraussetzung dafür (für eine positive Entwicklung). Sichere                                            
Bindungen kann ein Kind nur entwickeln, wenn die Pflegeeltern die Elternrolle vorbehaltlos übernehmen.“
 
Das kindliche Zeitempfinden hat das Bundesverfassungsgericht 1968 (BVerfGE 68) in den Mittelpunkt gestellt. Das Kinder-und Jugendhilferecht hat 1990 den Begriff des kindlichen Zeitempfindens im SGB VIII verankert.
 
In Wissenschaft und Praxis ist durchgängig bewiesen, dass das kindliche Bindungsbedürfnis ein existentielles Grundbedürfnis ist, das eine gesunde Entwicklung erst ermöglicht. Deshalb ist bei Säuglingen und Kleinkindern eine schnelle Klärung erforderlich, ob bei der vorliegenden Vorgeschichte der Eltern und ihrer Bereitschaft, unverzüglich zusammen mit dem Kind eine Therapie zu beginnen, eine positive Prognose für die Rückkehr möglich ist. Dazu bedarf es einer differenzierten psychosozialen Diagnose.
 
Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Bereitschaftspflegefamilie so auszuwählen, dass diese auch bereit ist, das Kind auf Dauer zu behalten, wenn eine Rückkehr in einem für das Kind vertretbaren Zeitraum in die Herkunftsfamilie nicht möglich ist. Der nicht seltene Fall, dass ein Säugling mehr als ein Jahr in einer Bereitschaftspflegestelle untergebracht wird und ihm dann ein Pflegestellenwechsel zugemutet wird, ist mit dem Kindeswohl nicht zu vereinbaren. Es entspricht auch nicht den vom Verfassungsgericht vorgegebenen Maßstäben, wonach ein Wechsel der Pflegestelle nicht eingefordert werden kann, wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass dies für die Entwicklung dieses Kindes schädlich ist (BVerfGE 79)

 

1Leber 1978 S. 113, Leber Aloys: Die Sozialisation von Pflegekindern in: Pflegekinder in der Bundesrepublik Deutschland, ein Forschungsbericht (Hrsg.) (Eigenverlag) Dt. Verein, Frankfurt

 

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Zum Inhalt des Buches:
Was passiert, wenn ein Kind nicht ohne Gefährdung seiner Entwicklung in seiner biologischen Familie aufwachsen kann? Welche Informationen benötigen Pflege- und Adoptiveltern, wenn sie sich für die Aufnahme eines Kindes entscheiden? Welche Hilfen und Unterstützung erhalten sie, wenn Probleme auftauchen?

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