BAG KiAP Bundesarbeitsgemeinschaft für Kinder in Adoptiv- und Pflegefamilien e.V.
BAG KiAP Bundesarbeitsgemeinschaft fürKinder in Adoptiv- und Pflegefamilien e.V.

FBB - Bereitschaftspflege

Bereitschaftspflege als Klärungsphase      
von: Paula Zwernemann

 

 1. Was ist Bereitschaftspflege - Familiäre Bereitschaftsbetreuung?   
 

Bereitschaftspflege ist die zeitlich befristete Unterbringung eines jungen Menschen bei einer besonders qualifizierten und auf diese Aufgabe vorbereiteten Pflegeperson. Für den Jugendhilfeträger ist es wichtig, dass er eine Anzahl von geeigneten und auf diese Aufgabe vorbereiteten Pflegepersonen vorhalten kann. Dabei ist es wichtig, dass die Bereitschaftspflegefamilien auf die unterschiedlichen Altersstufen von Kindern eingestellt sind. In einer Familie können Babys, in einer anderen eher Jugendliche oder ältere Schulkinder, untergebracht werden. Den Wünschen und Bedürfnissen der Bereitschaftspflegefamilien ist entgegen zu kommen.

Die Kinder kommen aus Krisensituationen und bedürfen Schutz und sofortiger Versorgung.


Nicht alle Kinder in Notsituationen werden im Rahmen der Hilfe zur Erziehung oder im Rahmen der Inobhutnahme in Bereitschaftspflegefamilien untergebracht. Mögliche Gründe, die von außen kommen und nicht unmittelbar mit einer Kindeswohlgefährdung zusammenhängen, können bspw. ein unerwarteter Krankenhausaufenthalt der Bezugsperson sein. Trotz dem die Krankenkasse in diesem Fall der Kostenträger ist, ist die Jugendhilfe für die Betreuung dieser Kinder zuständig, wenn niemand aus dem näheren Umkreis des Kindes die Versorgung übernimmt. Der Grund kann auch eine Inhaftierung der Bezugsperson sein, wobei dem Jugendhilfeträger hier die Aufgabe zukommt, dass Mütter von Säuglingen und Kleinkindern in der Regel in eine Vollzugsanstalt kommen, in denen Kinder mit ihren Bezugspersonen angenommen werden können und sie nicht in einer Bereitschaftspflegestelle untergebracht werden.

 

In diesen Situationen sollte sich der engagierte Einsatz der Fachkräfte des Jugendamtes darauf konzentrieren, sehr schnell Entscheidungen herbei zu führen das kann bspw. ein rascher Therapiebeginn sein, wenn möglich mit Kind, oder eine Verschiebung der Inhaftierung der Mutter oder eine Inhaftierung mit Kind. Das kann bedeuteten, dass mitunter zähe Verhandlungen mit anderen Behörden, sei dies die Justizbehörde, die Krankenversicherung oder die Rentenversicherung (bei Therapien in Suchtkliniken) notwendig werden.

Abwarten ohne aktives Eingreifen schafft Fakten, die nicht mehr umkehrbar sind. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist besonders auf das kindliche Zeitempfinden aufmerksam zu machen, weil hier bei längerem Ausbleiben der Bezugsperson, das Kind aufgrund des normalen Entwicklungsprozesses Bindungen zu der Pflegeperson entwickeln kann, die nicht ohne Schaden für das Kind gelöst werden können.

Der größte Teil der jungen Menschen, die in Bereitschaftspflegefamilien untergebracht werden, wird in akuten Krisensituationen im Rahmen der Inobhutnahme nach §42 SGB VIII zu ihrem Schutz aufgenommen. Diese Maßnahme ist für wenige Tage, ausnahmsweise auch für wenige Wochen, als Schutzmaßnahme möglich. Bei der Inobhutnahme und dort, wo Hilfe zur Erziehung erforderlich ist, stellt die Bereitschaftspflege eine wichtige Fachstelle zur Klärung der Situation des jungen Menschen dar.

 

In der Folge spreche ich nicht über die kurzfristige Notlage eines Kindes oder Jugendlichen, sondern über die jungen Menschen, die im Rahmen der Inobhutnahme oder der Hilfe zur Erziehung gemäß § 27 SGB VIII untergebracht werden müssen.

 

Bei der Unterbringung in der Bereitschaftspflegestelle befinden sich die Kinder fast ohne Ausnahme in einer Notsituation und dies umso mehr, je weniger sie die Gründe, die zu der Unterbringung geführt haben, verstehen können und das gilt ausnahmslos für Kleinkinder und Babys. Diese Kinder sind darauf angewiesen, unabhängig von den Unterbringungsgründen, dass sie auf Erwachsene treffen, die feinfühlig auf ihre Ausnahmesituation eingehen.

weiter geht es in dem Buch Pflegekinder/Adoption in Theorie und Praxis von Paula Zwernemann

 

Pflegekinder und der familienrechtliche Schutz ihrer Bindungen an ihre Bereitschaftspflegefamilie

Zum Inhalt des Buches:
Was passiert, wenn ein Kind nicht ohne Gefährdung seiner Entwicklung in seiner biologischen Familie aufwachsen kann? Welche Informationen benötigen Pflege- und Adoptiveltern, wenn sie sich für die Aufnahme eines Kindes entscheiden? Welche Hilfen und Unterstützung erhalten sie, wenn Probleme auftauchen?

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